Der Botanische Garten in Rio de Janeiro
Zwischen Affen, Kolibris, Tucanen und den Tropischen Pflanzen hier, kann man kaum glauben, dass man Mitten in Rio ist
Ein Tucan: was für ein prachtvoller Vogel
Zu Besuch im Capoeira Verein in Rio
Ein Abend in Rio mit den WG Mitbewohnern
Die Treppen in Lapa werden am Wochenende zu einem großen gemütlichen Wohnzimmer
Belem: Ilha Combu, hier werden wir unsere Untersuchungen machen
Im Hintergrund die Skyline von BelemDie letzten Tage in Rio (vor meinem Trip nach Belem) haben wir noch einmal ein paar Sehenswürdigkeiten der Stadt besucht: Im Jardin Botanico wird einem klar, was für eine wunderschöne Fauna es an der Stelle an der Rio errichtet wurde mal gegeben haben muss. Bei riesigen Palmen, Meter hohen Bambusstauden, wunderschönen pflanzen, Affenbanden die durch den Park ziehen, Kolibries die vor einem in der Luft stehen bleiben und prächtigen Tucanen die an den Palmen ihr Mittagsessen zu sich nehmen kann man schnell vergessen, das man sich mitten in einer brummenden Metropole befindet. Wir waren noch in einer der Samba Schulen, die Samstagsabend ihre Tore öffnet um öffentlich ihre neuen Tänze und Musikstücke für das Karnevalsfest zu trainieren. Kunterbunte Kostüme, ohrenbetäubende Trommelmusik und Sambarinas, die ihre Hüften schneller schütteln, als man gucken kann. Ein toller Vorgeschmack auf das Karnevalsfest im Februar. Leider waren wir so schlau unsere Kameras zu Hause zu lassen. Schließlich waren wir noch mit Alissa bei einer Capoeira Veranstaltung und haben noch ein paar tolle Abende in Lapa verbracht. Die stadt ist echt der Wahnsinn: Die bergige Landschaft, die kilometerlangen Strände und das Meer, das fabelhafte Wetter, das kunterbunte und laute treiben in der Stadt, die Gerüche und der Gestank in Lapa und die unglaublich netten Leute die man hier trifft. Erst jetzt wo ich aus Rio weg bin, merke ich, wie sehr ich diese Stadt in mein Herz geschlossen habe. Ich freue mich jetzt schon gegen Ende des Jahres wieder hierher zu kommen :-)
Dann ging es los nach Belem. Der Abschied von Chi war schwer: Wenn man in den letzten fünf Jahren so gut wie jeden Tag Seite an Seite verbracht hat, kann man sich ein Leben ohne den anderen kaum noch vorstellen (auch wenn es nur für zwei Monate ist). Wir telefonieren zwar sehr viel miteinander aber es bleibt trotzdem das ständige Gefühl, dass etwas fehlt. Der Flug nach Rio ist daher auch schon gebucht: am 21.12. geht es zurück zu Chi nach Rio um von dort aus über die Feiertage ein wenig herum zu reisen.
So ging es dann alleine nach Belem. Hier wurde ich sehr herzlich von dem Team der Uni in Empfang genommen (es gab erst einmal ein Mittagessen am Ufer des Amazonas und eine Rundfahrt durch die Altstadt) und alle Projektmitarbeiter sind (zum Glück auch nach den ersten zwei Wochen noch) hochmotiviert an dem Projekt mitzuarbeiten. Wir hatten interessante Diskussionen, sehr spannende gemeinsame Ausflüge auf die Insel Combu und legen nächste Woche mit den Testdurchläufen für das Experiment los. Da die Inseln mit dem Boot recht schwer zugänglich sind, die Familien sehr vereinzelt und verstreut auf der Insel leben, die Kinder sehr zurückhaltend gegenüber jedem sind, der nicht zur Familie gehört und schließlich das Bildungsniveau der Bewohner so niedrig ist, dass Sie unsere Fragebögen nicht verstehen (auch nicht vorgelesen) werden wir die Messungen wohl in kleineren Dörfern außerhalb von Belem machen - der Kontakt steht und die Messungen können losgehen.
Das ist echt unglaublich: Belem ist eine Stadt mit 1,5 Millionen Einwohnern. Man tukkert 20 min. im Kanu über den Amazonas (bzw. einen Nebenarm davon) und hier leben die Leute in Holzhütten, pflücken die Früchte von Baum und haben ein paar Hühner vor der Tür, die dann bei Bedarf verzehrt werden. Da interessiert die Leute dann nicht das aktuelle geschehen in der Eurozone sondern vielmehr unterhält man sich stundenlang über die Ente, die man mühsam gemästet hat und die sich dann einer der Nachbarn unter den Nagel gerissen hat. Um Belem herum gibt es etwa 40 kleine Inseln, von denen niemand so richit weiß, wie viele Leute dort leben und wie das Leben dort aussieht - viele Stadtbewohner kennen nicht einmal den Namen von Combu, der riesigen Insel direkt vor ihrer Tür.
Ich habe mich vor meiner Ankunft gefragt, wie so eine Metropole Mitten im Tropenwald am Amazonas wohl ausschaut: Die Straßen im Zentrum sing mit Riesigen Mangobäumen gesäumt (wenn man auf der Straße steht, sieht es aus als führe die Staße durch den Wald, weil man vor Bäumen keine Häuser mehr sieht) Es gibt etliche Restaurants und Bierbuden mit Blick auf den Amazonas, die Uni ist ein riesiges Gelände mitten in der Natur (Auch hier turnen die Affen in den Bäumen und Kolibries tummeln sich in der Luft...) und es gibt tolle angelegte Parks im Stadtzentrum in denen am Wochenende etliche Stände mit Souvenirs, Snacks und gekühlten Cocosnüssen auf einen warten. Zum Essen gibt es frische Fruchtsäfte, mit Früchten von denen man in Deutschland noch nichts gehört hat, köstlichen Fisch aus dem Fluss und Paranüsse - hmmm..., ich gehe gleich erstmal etwas essen. Außerdem machen sich die Tropen natürlich am Wetter bemerkbar: Im Schnitt wir es hier so 35 Grad am Tag und auch in der Nacht kühlt es nur unwesentlich ab. Keine Dusche ist beheitzt und es gibt nur einen Knopf, weil das Wasser einfach immer warm ist. Es gibt nur zwei Jahreszeiten: 35 Grad und Regen und 35 Grad und viel Regen. Die Namen der Jahreszeiten sind eher künstlich an die normale Terminologie angepasst: Sommer und Winter.
Von meiner Wohnungssuche gibt es ein paar Eindrücke, die ich wohl so schnell nicht vergessen werde: Ob ich denn in der ganzen Stadt sicher nach einem Zimmer suchen könne, frage ich einen Hostelmitarbeiter. Dieser gibt mir ein klares Nein als Antwort. Auf einer recht großen Stadtkarte zieht der Mitarbeiter einen kleinen Kreis im Zentrum der Stadt. Hier sei es sicher, den Rest der Stadt, die Peripherie, solle ich gänzlich vermeiden, auch am Tag. Da das Wohnungsangebot innerhalb dieses Kreises sehr klein war und ein Zimmer das ein wenig außerhalb des Kreises lag im Internet sehr schön aussah, fragte ich einen weiteren Hostelmitarbeiter, ob ich denn wenigstens dann gehen kann, um mir ein Bild zu machen. Ohne Wertsachen sollte das Ok sein meint dieser und zeigt mir auf der Karte einen Fußweg dorthin. Die ersten 10 min. war alles recht normal (innerhalb des Kreises), dann (außerhalb des Kreises) lernte ich die Peripherie kennen: die Sonne brennt bei 35 Grad und blauem Himmel zwischen zerfallenen Häusern leben die Menschen in selbst gezimmerten Holzhütten und bunt angepinselten Bierhäuschen, in der Mitte der Straße läuft ein Kanal mit braunem Wasser, neben dem Bürgersteig sind einige schwarz, grün schimmerndem Pfützen, an den Seiten der Straße türmen sich Müllberge, zwischendurch liegen Knochen und volle Pampers auf dem Weg, was für ein Alptraum. Als wäre das nicht schon skurril genug befinden sich mitten in diesem Chaos ummauerte Hochsicherheitstrakts, hinter deren Mauern riesige Villen hervorragen. Wer ist den so dreist und dekadent hier eine Villa mitten im Slum zu bauen frage ich mich nur. Einige Tage später höre ich eine Geschichte von einer Projektmitarbeiterin: Der Chef von ihrem Mann wohnt wohl in einer solchen Villa in der Peripherie er hat sein Auto für 30.000 € gegen Kugeln sichern lassen. Wohl bemerkt: um sicher nach Hause fahren zu können. Das geht echt nicht in meinen Kopf, wo bin ich hier gelandet? Das Zimmer das ich mir dann angeschaut habe war zwar echt günstigt, die Leute hier waren echt nett und es gab einen Pool im Innenhof. Es war auch ein halber Hochsicherheitstrakt, ein alter zerbrechlicher Mann ohne T-Shirt, der in einem zerfledderten Liegestuhl saß hatte sich mir zuvor als "Sicherheitsbeauftragter" für diese Straße vorgestellt, ich habe mich schon gefragt, wieviel ich diesem "Sicherheitsbeauftragten" wohl im Monat zahlen müsste, wenn ich hier einziehen würde. Aber die Geschichten und Ratschläge der Mitbewohner haben mich endgültig davon abgehalten hier einzuziehen: Nimm keinen Rucksack mit auf die Straße, geh abends besser nicht vor die Tür, erst letzte Woche wurde eine der Studentinnen vor der Tür ausgeraubt. Außerdem gibt es in der Nähe keine Supermarkt. Mir wurde ein wenig bange und ich fuhr lieber mit dem Bus zurück in das Hostel. Ich wohne jetzt in einer netten Studenten WG innerhalb des Kreises...
In 1-2 Wochen werde ich dann wohl in das Dorf (Name: Apeu) ziehen, um die Messungen besser organisieren zu können. Hier habe ich ein kleines Bungalow in einer Art Naturressort gefunden: von dem Dorf führt ein ein Kilometer langer Schleichweg Mitten in den Wald. Hier verwaltet Izar, die so wirkt als sei sie direkt aus den sechzigern hierher geflohen, eine kleine Bungalowanlage, in der Gäste wohl eher eine Überraschung sind. Sie hat hier ein echtes Paradies geschaffen: es gibt einen See zum Baden etliche Möglichkeiten in Hängematten die Seele baumeln zu lassen und hier gibt es wohl mit abstand mehr bunte Vögel und Affen als Menschen - Ich werde wohl sehr viel Zeit zum Schwimmen und zum Nachdenken haben :-)
Liebe Grüße aus Belem!
Moritz
2 Kommentare:
Liebe Grüße zurück aus Solingen! Jedem das Seine.
Ich bin serh gespannt auf Deinen Bericht, vor allem, wenn ich die Bilder sehe.
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